Posts tagged ‘Hochstapelei’

Dezember 24, 2010

Licht aufgegangen zur Stillen Nacht…

Santarrangement mit Orchideenglöckchen und aufgehendem Licht

Dezember 23, 2010

Warum ich keine Weihnachtsbriefe schreibe…

XMA - ION (c) bildgruende Dec. 23 2010 / contact via textgruende

P.S.: Kein Plagiat beabsichtigt – ikonische (und ironische) Ähnlichkeiten auf den 2. Blick finden sich z.B. hier or hier oder hier oder bei „Rotkäppchen und der Wolf“ womöglich?

P.S.: No plagiarism intended – for iconic (and ironic) similarities discovered in retrospect see here or here or here, or any illustrated „Little Red Riding Hood & the Big Bad Wolf“, perhaps?

Dezember 6, 2009

Paradoxe Mysterienspiele – Merkwürdige Begegnungen am Rande des 2. Jour Fitz

Jour Fitz – zum zweiten! Die Absicht war klar und misslang – wie schon bei der Uraufführung – spektakulär: Das Aufgebot aller sechs mehr oder minder verrufenen, zwitschernden Schreibhälse (der Veranstalter als Conférencier gab nach seinen fünf Gästen auch Selbstgeschriebenes zum Besten) konnte das Publikum auch mit ausuferndsten Beiträgen nicht abschrecken. Der lesenden Phalanx jener vom Taubenvergrämer mutmaßlich mit halbleeren Versprechungen (max.: Ruhm, Reichtum / min.: Rum, Reisekosten) geköderten „crowd busters“ gelang es einfach nicht, das RL-süchtige Publikum zurück an die heimischen Rechner zu treiben… so war es durchgehend eng und laut und die Verstärkeranlage pfiff ihr munteres Veto zu mancher Formulierung.

Doch niemand ging.

Alle lauschten, lachten, lernten – mit allen Sinnen – dank den im Dienste des Taubenvergrämers vorlesenden Herren und der polnischen Gräfin Silenttiffy (aka Migrationshasi) über alles unmöglich Wahre bis hin zu nackten Tatsachen auf alten Gemälden. (Nur mal so: Echt dumm, die schlüpfrige Bilderschau erst nach der Pause zu bringen, das hat der Veranstalter falsch eingeschätzt, war ja klar, dass dann alle auch den ü18-Teil sehen wollen.) Also ein ziemliches Ei im Nest, dieser 2. Jour Fitz, auch genannt KUCKUCK 4711. Das paradoxe Experiment hat stattgefunden am 30.11.2009.

Und am 6.12.2009, da ich nach einer prokrastimatischen  Tiefen-Analyse des kultverdächtigen Projekts diesen Beitrag verzapfe,  ist jour-fitz.de nicht online. Müssen wir uns Sorgen machen? Wie steht es um den Taubenvergrämer? Ahnt er, was am 21. Dezember 2009, zum angekündigten 3. Jour Fitz  droht? Fürchtet er weitere Peinlichkeiten und befindet sich bereits auf der Flucht vor dem kontrahierten Erfolg? Nebenstehendes Foto lässt die Spannung erkennen, die ihn beherrschte: Der Taubenvergrämer nach seinem letzten erfolglosen Versuch, uns alle, die wir nicht taub waren, zu vergrämen.

Das Soupanova, wo sich all dies begab, blieb gestopft voll, auch als der offizielle Kulturteil vorbei war.

Inmitten der wogenden Menge nahm mich sofort ein, äh, waschechter Graf in Beschlag, der sich wörtlich als „Graf Zahl, Agent und Art Dealer“ vorstellte und sich um ein Exklusivinterview für textgruende geradezu drängte. Ich sehe mich nun in der Verlegenheit, die ganze wirre Wahrheit ans Licht zu bringen, wenngleich ich inzwischen die Lauterkeit der Worte des Grafen stark bezweifeln muss, der sich als graue Eminenz des Abends und vor allem als diskreter Manager für seine „kleine Adoptivtochter“, Gräfin Alexandra, verstanden wissen wollte. Zwar erkannte ich den Herrn von diversen Fotos durchaus wieder als den leichtlebigen Gesellschafter der Gräfin Alexandra aka Silent Tiffy, dennoch schäme ich mich nachträglich ein wenig, dass das Angebot, welches er mir machte, mich so spontan wie verstörend betören konnte: Exklusive Auskunft über sein Gesamtkunstwerk, sein Geschöpf, die Gräfin seiner Gnaden, würde er geben, wenn ich im Gegenzug – „zu einem echten Freundschaftspreis“ – ein einmaliges historisches und dabei „vom Sujet höchst delikates  Bilddokument“ aus dem uralten Kunstschatz der gräflichen Familie erwürbe, ein Bild, das diese nur in diskreten Kennerhänden wissen wolle, wenn schon sie sich von diesem Schlüsselwerk aus persönlichen, geradezu existenziellen Gründen trennen müsse. Es handele sich um eine Angelegenheit von irgendwie spiritueller Bedeutung. Er halte mich für die Vertrauensperson, der er jenes kostbare Bilddokument anvertrauen würde – tatsächlich sei ich ihm eben blitzartig als Erleuchtung erschienen, kurz bevor er mich hier gefunden und anzusprechen beschlossen habe – und außerdem sei ich doch wohl flexibel genug, eine einmalige Chance ohne Zögern zu ergreifen. Bei so einem Preis für solch ein Unikat gelte es, sofort zuzulangen. Ich bekäme mein Geld allemal wieder herein, indem ich rund um dieses bemerkenswerte Bilddokument einen herumgeheimnissenden Verschwörungsroman, gewürzt mit einem Schuss kultischer Erotik, zusammenschustern und beispielsweise unter dem Pseudonym Dani Braun veröffentlichen würde. Dabei werde er mir nach Kräften zur Seite stehen, soweit seine knapp bemessene Zeit dies erlaube (da er seiner primären Berufung natürlich weiterhin folgen werde, die schwer zu bändigenden Talente der Gräfin unter seinen Fittichen zu hüten). All dies biete er an, vorausgesetzt, dass ich das Bild aus den gräflichen Archiven zu einem quasi symbolischen, aber doch mein ernsthaftes Interesse dokumentierenden Obolus übernähme – unter der einzig unverhandelbaren Bedingung, dass ich das Bild selbst niemand jemals zeigen dürfe, nebst Klitzeklausel, dass er, der Graf, im etwaigen literarischen Erfolgsfall prozentual beteiligt würde. Keine Ahnung, warum ich in dem Moment geneigt war, solchem Schmonz auch nur spaßeshalber ein Ohr zu leihen. Natürlich glaubte ich ihm fast kein Wort – wenn sein Gefasel mich nur nicht so neugierig gemacht hätte, was er denn da zu verhökern suchte…

Ich fürchte „delikates Sujet“ war das Reizwort, mit dem der Hochstapler mich köderte. Und Fan-Foto-Freiwild satt mitsamt kurzweiligsten Gesprächsgelegenheiten  bescherte die exzentrische Gesellschaft des Grafen mir tatsächlich gratis als Vorleistungen.

Inzwischen ahne ich, der Graf hatte mich bemerkt und im Auge behalten, seit ich ihn fast versehentlich im Ausschnitt der Gräfin erwischt hatte – auf jenem Mammarazza-Bild nach dem furiosen Vortrag von Silent Tiffy über die weibliche Brust (besonders die nackte) in der abendländischen Kunst. Vielleicht hielt er mich für ein verblendetes Groupie oder auch für ne Medienmieze, für irgendeine Fetischistin, oder aber er wollte ablenken von der Tatsache, dass er selbst in höchst verfänglicher Position diesem Vortrag seiner „kleinen Adoptivtochter“ beigewohnt hatte. Jedenfalls: Ich versteh auch jetzt nicht wirklich, worum es ihm vor allem ging, außer – ja – vermutlich darum, mich in Verlegenheit oder/und um mein Geld (welches Geld???) zu bringen.

Um es kurz zu machen – die Nacht schritt voran, die Reihen lichteten sich ganz allmählich, letzte Abschiedsbilder entstanden – und der Graf war nicht zu stoppen. Zu meinem Glück hatte ich ihn hinhalten und über die Tatsache hinweg täuschen können, dass ich grad überhaupt keine in seinem Sinne „größere Zahl Euros“ dabei hatte, wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre.

Am Ende war ich drauf und dran, den Grafen Zahl einfach sitzen zu lassen und zu gehen, da kehrte Silent Tiffy wie die Göttin vom Olymp erfrischt vom Sofa zurück und rettete die Situation. Der Graf habe mir doch nicht etwa irgendein angeblich historisches Dokument andrehen wollen? Das sei in letzter Zeit seine Masche, um ihre strenge Budgetierung zu unterlaufen und sich selbst ohne Rücksicht auf die Düpierten zu bereichern. Natürlich existiere gar kein solches Dokument und falls ich etwa schon eine Anzahlung geleistet…  – Als ich dies verneinte, schnappte sie sich den Grafen, murmelte was von „Hühnchen rupfen“ und stopfte dem protestierenden Möchtegernpotentaten trotz seiner spitzen Zähnchen das Maul. Als ich meinen Dank für die dennoch erquickliche Gesellschaft und sowieso für ihre anmutigen Darbietungen hinter beiden her stammelte, wandte der Graf noch einmal den Kopf und zwinkerte mir von jenseits seines Monokels zu… Und aus seinem weiten Umhang segelte ein winziger Papiergleiter mir direkt in die Hand – mit einem noch winzigeren Mikrochip oben drauf, wie ich dann fand. Inzwischen habe ich jemanden aufgetrieben, der die darauf kodierten Daten entschlüsselt hat und kann nur sagen – ich bin sprachlos. Geschickte Fälschung oder Abbildung einer Sensation – wer weiß das schon?!

Ich habe mich entschlossen, eine Kopie des obskuren Dokument hier vorurteilsfrei und unkommentiert zu veröffentlichen. Ich hoffe, der Graf wie auch die Gräfin werden meine Beweggründe verstehen…

Sucker for Life